Rapunzel

Tangled RapunzelIch wollte ja zuerst wieder nicht reingehen, nachdem ich den deutschen Titel gelesen hatte ... "Rapunzel - neu verföhnt", daran stimmt ja wieder gar nichts. Ja, dachte ich zunächst, bevor ich kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen musste, dass man den Fön jetzt auch wie den Föhn "Föhn" schreiben kann, und zwar seit 1996 bereits. Verföhnt und zugenäht!!! Es ist und bleibt aber ein total verschrömmelter Schlurch von einem Titel. Im Englischen heißt es original "Tangled", also "verwickelt", was auch ein schäbiges Wortspiel ist, das beim native speaker möglicherweise ebenfalls nicht so gut ankommt, aber "neu verföhnt" stammt schon aus der dick und fett  mit Edding beschrifteten Schublade unten rechts, auf der in krakeliger Nerd-Handschrift "Kalauer" steht. Oder vielleicht ist das auch einfach die neue Zeit und "bad is the new good". Wer traut sich das schon sagen zu wollen?

Im Wesentlichen ist es die typische "coming of age"-Festtags-Disney-Geschichte, die man zu Weihnachten erwarten kann, und mit der sich eine Heiligabend-Matinee mit Kindern gut bewältigen lässt, wenn noch nicht alle Geschenke unter dem Baum verteilt sind. Um es gleich vorweg zu nehmen, bekommen alle diejenigen auch ordentlich einen auf die Mütze, die temporär zu sehr mit sich selbst zufrieden sind. Und zwar mit solchem Erfolg, dass die Armee des Königreiches im Märchenland am Ende ihre Leibgarde mit Bratpfannen ausstattet. Aber seht (möglicherweise) selbst. Die Frauen haben wieder mal viel zu große Augen (hier ist es teilweise so, dass Rapunzel bis hin zu einer gewissen Glubschigkeit gesteigert ist - und nein, ich meine nicht das Chamäleon Pascal, das hier zu sehen ist). Und die konsensfähige Botschaft am Ende ist natürlich, dass alles klappt, wenn alles klappt. Oder so. Man muss sich dazu vielleicht aber erst ein paar Meter alte Zöpfe abschneiden. Und der Imperator (in völlig disneymäßiger, stereotypenvermeidender, politisch korrekter schwarzhaariger Zigeunerinnen-Gestalt) zerfällt auch zu Staub beim Sturz herunter von "Cloud City", dem Rapunzelturm. Oder ist das jetzt zu viel der Intertextualität? Jedenfalls sieht man hier so ca. Flynn Rider und die Palastwache im trauten Gespräch. Gut, eigentlich haben sie Flynn Rider ja Han Solo nachempfunden. Smile

Am Ende bleibt nach dem Konsum eines solchen Filmes natürlich immer die Frage, wie viele Variationen es auf die Kerngeschichte "zu Unrecht zurückgehalten, dann befreit, die eben erwachende Liebe fast verloren und am Ende glücklich bis ans Ende aller Tage" überhaupt so geben kann.

Vermutlich zwölf- bis siebenundzwanzigtausend. Smile

Als Schmankerl zumindest das Lied von Grace (nicht Harry) Potter "Something I Want" - das gibt's aufgrund nicht einbettungsfähiger Inhalte hier als Link: http://www.youtube.com/watch?v=BIoKfDzEuC8

Kommentare

Tod der Hexe

Hey.
Deine Kriitik finde ich ziemlich gut.
Jedoch muss ich anmerken:
Die Hexe zerfällt zu staub. Wenn man überlegt, dass sie bevor Rapunzel geboren wurde schon diese Blume benutze um jung zu bleiben (man bedenke: eine alte schrumpelige grauhaarige frau, die krumm geht und sich kaum noch auf den beiden halten kann).
Das macht sie 18 Jahre danach immer noch. Und in dem Moment in dem Rapunzel ihre Haare verliert, verliert sie all die Zeit die sie eig gar nicht mehr hätte.
Man kann in einem kinderfilm nun schlecht zeigen wie die alte Frau erst die Haut verliert, zum Skelett wird und dann letztendlich zu staub zerfällt.
 
Und leider traurig aber wahr, die gute alte Geschichte mit der Liebe, die in Disenyfilmen leider viel zu "einfach" dargestellt wird.
 
Bin gerne offen für Anmerkungen, deswegen gebe ich mal meine email-addy an Smile
 
Liebe Grüße
der sozialkritische Gast Wink

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