Ja, hm vielleicht sollte man den Film rückblickend und mit einigem Abstand vor dem Hintergrund der Clooneyschen Enwicklung vom Emergency-Room-Schmachtfetzen bis zuletzt zum Hippiesoldaten in "Männer, die auf Ziegen starren" sehen. Er steht irgendwie am Anfang dieser Entwicklung. Man erkennt ja schon am Bild auf dem Cover, dass man es mit einer ganz subtilen, psychodramatisch und kammerspielhaft inszenierten Studie zum Thema "Krieg" zu tun hat.
Männer- und Frauenrollen werden völlig frei definiert: Clooney darf seine weibliche Seite zeigen und Kidman lässt immer offen, ob sich unter ihrer weißen Bluse ein Busen regt oder doch nur eine ausgeprägte Brustmuskulatur. Die Bösen sind ebenfalls gar nicht die Bösen, wie man sie erwartet: weder changiert der Russe zwischen inkompetent und korrupt, noch ist der bosnische Serbe eine Bestie. Und auch für den versuchten Massenmord in Manhattan mit Atombombe wird kein persönlicher Verlust geliebter Menschen verantwortlich gemacht.
Oder doch?
Ja! Und das ist ja das Poblem: genauso subtil wie Anakin Skywalker nach dem Tod seiner geliebten Mutter und dem Mord an den Tusken Raiders zu Darth Vader mutiert, genauso subtil fasst ein Vluk Vukovic oder Drak Drakovic (die haben aber auch immer Namen, die Balkanesen!) nach dem Tod von Frau (und besonders Kind) den Plan, mittels weggeschmuggelter Atombomben der UN und / oder Manhattan mal so richtig zu zeigen, was ein lustiger Bosniak eine anständige Harfe Harke ist. Aber wie ist das mit den Losern der Geschichte?

Neulich beim Treffen der Skiptschreiber in Amerika: Ich hab' ne coole Idee: Matthew Perry als Zahnarzt. (leises Gelächter) Super, stell' Dir jetzt mal vor, der begegnet Bruce Willis. Und der ist Auftragskiller (großes Hallo im Raum). Und jetzt, jetzt ist die Frau von Matthew Perry auch noch Französin, so eine echte gemeine Zicke. Ja, die Franzosen sind alle **** (längeres Seitengespräch über französische Frauen und Männer und über Paris) Und Matthew Perry, der weiß jetzt voll, das der Bruce der Killer ist, und die Frau schickt den jetzt zu seinen Feinde, damit die den erledigen. Ja, ja und die Frau will das Geld kassieren. - OK, Jungs, gebongt, super Story. Das soll für nen ganzen Film reichen? Ja, ja klappt schon, ich muss jetzt zum Super Bowl.

Über den Inhalt braucht man nicht viele Worte zu verlieren. Steht ja alles bereits im Titel. Und der Grund ist natürlich der gleiche, warum die meisten einen Porno drehen: Geld. Der Rest macht das vielleicht sogar aus Spaß an der Freude. Auch diese Menschen haben ihren Auftritt.
Zack und Miri sind das Paar, das in "1000mal berührt, 1000mal ist nix passiert" besungen wird. Zwei Zweck-WG-Bewohner unterschiedlichen Geschlechtes in einer Gegend, die in den USA als "untere Mittelschicht" durchgeht. Kein Suburbia, kein Ghetto. Ort der Handlung ist genau dieses Mileu, wo Menschen leben, die im Aufstieg des "pursuit of happiness" irgendwo in der Mitte stecken geblieben sind. Kleinbürglicher Existenzen mithin.

Nein, das mit den Ziegen betrachtenden Männern ist gar kein Tierfilm, auch wenn es zunächst so klingt, und der Titel lautet ja auch ein wenig anders: The Men Who Stare at Goats. Es geht in der Tat um Jedi-Ritter (Ewan McGregor, klar), Drogen (Jeff Bridges, klar) und die New Earth Army (deren Manifest hier zum Download bereit steht), ein unfaires Spiel (Kevin Spacey, klar), eigentlich nicht um Frauen (trotz George Clooney, der aber auch hier wieder keine Scheu vor komischen Gesichtsausdrücken hat und diese eigentlich sogar viel besser beherrscht als z.B. Kevin Kline), und es geht um einen zweifelhaften Krieg. Die gezeigten Kollateralschäden bleiben minimal (FSK 12), auch wenn der eine oder andere Zivilist sich am Außenspiegel auf der Landstraße in den Irak verfängt und sich die Sicherheitsfirmen, die man im Irak eingesetzt hat, als genau das Sicherheitsrisiko zeigen, das man in ihnen immer ahnt (es fängt ja schon bei der Security der Verkehrsbetriebe einiger deutscher Großstädte an, dass man bisweilen ein merkwürdiges Gefühl hat...). Und als die Bewusstseinssteigerungsmaschine von Kevin Spacey natürlich genau in die Hölle des Wahnsinns führt, die am nächsten liegt, blendet die Kamera gerade rechtzeitig in die absurde Totale oder gleich ganz aus... aber die dunkle (Ziegen, Hamster) und die helle Seite der Macht (Blumen, Tanzen, Badespaß) liegen nahe beieinander!
Wir sprechen hier über einen Film, in dem es kaum Musik und keine Specialeffects. Wo es egal ist, ob man ihn auf einem Monsterplasma oder noch der alten Studi-Röhre sieht. Ein Deutsch- und Englisch-LK Film für die Nerdgruppe unter den AbiturientInnen.
Neueste Kommentare
vor 6 Tage 9 Stunden
vor 1 Woche 7 Stunden
vor 1 Woche 4 Tage
vor 1 Woche 4 Tage
vor 1 Woche 5 Tage
vor 1 Woche 5 Tage
vor 1 Woche 6 Tage
vor 2 Wochen 1 Tag
vor 2 Wochen 4 Tage
vor 2 Wochen 4 Tage